Makroaufnahme eines einzelnen klaren Serumtropfens auf einer Glasscheibe in warmem Licht vor cremefarbenem Hintergrund; Symbolbild

Niacinamid: Was Vitamin B3 für die Haut wirklich leisten kann

Die kurze Antwort: Niacinamid ist eine Form von Vitamin B3 und einer der am besten untersuchten und am besten verträglichen Wirkstoffe der Hautpflege. In Studien stärkte es die Hautbarriere, verringerte Rötungen, Pigmentflecken und feine Linien und machte die Haut elastischer. Bewährt haben sich Konzentrationen von etwa 2 bis 5 Prozent – mehr ist nicht automatisch besser. Und es lässt sich mit fast allem kombinieren, auch mit Vitamin C und Retinol.

Was ist Niacinamid?

Niacinamid – auch Nicotinamid – gehört zur Vitamin-B3-Familie. Der Körper nutzt es, um die Coenzyme der NAD-Familie zu bilden, die für Energiestoffwechsel und Reparaturprozesse der Zellen unverzichtbar sind.4 Auf die Haut aufgetragen, wird es gut aufgenommen und gut vertragen. Anders als die verwandte Nicotinsäure verursacht Niacinamid kein Hitzegefühl oder „Flushing“.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit fasst zusammen, was Niacinamid in der Haut bewirkt: Es unterstützt den Energiehaushalt der Zellen, dämpft oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen, stärkt Bindegewebe und Barriere und bremst die Pigmentierung.4 Ein einzelnes „Zielmolekül“ wie bei manchen anderen Wirkstoffen ist dabei nicht bekannt – Niacinamid wirkt eher als Allrounder.

Laborglas mit klaren Flüssigkeiten und einer Pipette auf hellem Stein im Tageslicht
Niacinamid gehört zu den am gründlichsten untersuchten Wirkstoffen der Hautpflege. Symbolbild.

Was die Studien zeigen

Stärkere Hautbarriere

Ceramide sind die „Mörtelfugen“ zwischen den Hornzellen. In Zellkulturen steigerte Niacinamid die Bildung von Ceramiden um das Vier- bis Fünfeinhalbfache; die Autorinnen und Autoren verbinden das mit einer verbesserten Barrierefunktion der Haut.3 Bei Menschen mit Rosacea verbesserte eine Feuchtigkeitscreme mit Niacinamid die Barrierefunktion messbar.5 Deshalb ist Niacinamid besonders bei trockener und empfindlicher Haut interessant – mehr dazu in unserem Beitrag zu Rosacea und Couperose.

Ebenmäßiger Teint und weniger Pigmentflecken

Niacinamid hemmt nicht die Pigmentbildung selbst, sondern deren Weitergabe: In einem Zellmodell verringerte es die Übertragung von Pigmentkörnchen auf die Hautzellen um 35 bis 68 Prozent. In klinischen Tests mit 5 Prozent Niacinamid sowie mit 2 Prozent Niacinamid plus Sonnenschutz wurde die Pigmentierung sichtbar reduziert.2 Ohne täglichen Lichtschutz bleibt der Effekt allerdings begrenzt.

Weniger sichtbare Zeichen der Hautalterung

In einer doppelblinden Studie trugen 50 Frauen zwölf Wochen lang 5-prozentiges Niacinamid auf eine Gesichtshälfte und eine wirkstofffreie Creme auf die andere auf. Auf der Niacinamid-Seite verringerten sich feine Linien, Pigmentflecken, fleckige Rötungen und der fahle Gelbstich der Haut; die Elastizität nahm zu.1

Nahaufnahme der Wange einer Frau mit gleichmäßigem natürlichen Hautton und feinen sichtbaren Poren
Ebenmäßiger Teint, feinere Poren: Niacinamid wirkt eher unauffällig als spektakulär – dafür auf vielen Ebenen. Symbolbild.

Welche Konzentration ist sinnvoll?

Die Studien, auf die sich die meisten Aussagen stützen, arbeiteten mit 2 bis 5 Prozent. Produkte mit 10 Prozent und mehr sind populär geworden, sind aber nicht besser belegt – und bei empfindlicher Haut steigt mit der Konzentration das Risiko für Brennen oder Rötungen. Wichtiger als die Prozentzahl ist, dass das Produkt zu Ihrer Haut passt und Sie es regelmäßig verwenden. Sichtbare Veränderungen brauchen etwa vier bis zwölf Wochen.

Niacinamid kombinieren: was zusammenpasst

  • Mit Vitamin C: Die alte Sorge, beide würden sich gegenseitig aufheben, stammt aus Laborversuchen unter Bedingungen, die mit moderner Hautpflege wenig zu tun haben. Viele Formulierungen kombinieren beides bewusst – der IMAGE ILUMA Intense Facial Illuminator enthält laut Hersteller Niacinamid, Vitamin C und Tranexamsäure. Mehr zu Vitamin C lesen Sie im Vergleich Retinol vs. Vitamin C.
  • Mit Retinol und Vitamin A: Eine gute Ergänzung, weil Niacinamid die Barriere stützt, die Retinoide anfangs strapazieren können. Die IMAGE AGELESS+ Retinol Repair Crème 0,3 % enthält beides.
  • Mit Hyaluronsäure: Problemlos – die eine bindet Feuchtigkeit, das andere hilft, sie in der Haut zu halten. Siehe Hyaluronsäure in der Hautpflege.
  • Mit Säuren (AHA/BHA): Grundsätzlich möglich. Bei empfindlicher Haut lieber zeitlich trennen – Säure abends, Niacinamid morgens.
Fingerspitzen einer Frau halten eine unbeschriftete Glaspipette, aus der zwei Tropfen klares Serum auf die andere Hand fallen
Zwei bis drei Tropfen reichen für das ganze Gesicht. Symbolbild.

Woran Sie Niacinamid im Produkt erkennen

Auf der Inhaltsstoffliste (INCI) steht Niacinamid als Niacinamide. Die Inhaltsstoffe sind nach ihrem Mengenanteil sortiert: Steht Niacinamide unter den ersten Positionen, ist es eher hoch dosiert; ganz am Ende spielt es eher eine Nebenrolle. Viele Hersteller nennen die genaue Prozentzahl nicht – das muss kein Nachteil sein, denn wie gut ein Wirkstoff wirkt, hängt auch von der gesamten Formulierung ab. Niacinamid steckt nicht nur in Seren, sondern auch in Tonern, Cremes, Masken und Reinigern. Bei Reinigern bleibt es allerdings nur kurz auf der Haut; für eine spürbare Wirkung sind Produkte sinnvoller, die einziehen dürfen.

So bauen Sie Niacinamid in Ihre Routine ein

  1. Morgens oder abends – oder beides. Niacinamid ist nicht lichtempfindlich und kann zu jeder Tageszeit verwendet werden. Morgens ergänzt es den Sonnenschutz gut, abends ein Vitamin-A-Produkt.
  2. Die richtige Position. Nach der Reinigung und dem Toner, vor der Creme. Seren und Toner mit Niacinamid wirken dort, wo sie direkten Hautkontakt haben.
  3. Langsam starten. Bei empfindlicher Haut zunächst einmal täglich, nach zwei Wochen zweimal täglich.
  4. Geduld haben. Die Barriere reagiert oft schon nach wenigen Wochen, Pigmentflecken und feine Linien brauchen in den Studien acht bis zwölf Wochen.

Kribbeln oder Rötung nach dem Auftragen? Das kommt bei hohen Konzentrationen gelegentlich vor. Wechseln Sie dann zu einem Produkt mit niedrigerem Anteil oder tragen Sie es auf die vorher eingecremte Haut auf. Anders als bei Säuren oder Retinol gibt es bei Niacinamid keine „Erstverschlimmerung“, durch die man durchhalten müsste – anhaltende Reizungen sind ein Zeichen, dass das Produkt nicht passt.

Für wen eignet sich Niacinamid?

Für fast alle Hauttypen – das macht es so beliebt. Besonders profitieren:

Auch von innen spielt Vitamin B3 eine Rolle: Niacin gehört zu den wenigen Nährstoffen, für die in der EU die Aussage zugelassen ist, dass sie zur Erhaltung normaler Haut beitragen. Mehr dazu in unserem Beitrag Trockene Haut von innen.

Niacinamid ist kein Wundermittel – aber einer der seltenen Wirkstoffe, die vielen Hauttypen helfen und kaum jemandem schaden. Welches Produkt in Ihre bestehende Routine passt, besprechen wir gern in einer persönlichen Hautanalyse. Eine Auswahl finden Sie auch in unseren Seren.

Häufige Fragen

Was bewirkt Niacinamid auf der Haut?

Niacinamid, eine Form von Vitamin B3, unterstützt die Bildung hauteigener Lipide wie Ceramide und stärkt so die Hautbarriere. In Studien verringerte es außerdem Rötungen, Pigmentflecken, feine Linien und einen fahlen Teint und verbesserte die Elastizität der Haut.

Welche Konzentration Niacinamid ist sinnvoll?

Die meisten Studien verwendeten 2 bis 5 Prozent. Höhere Konzentrationen von 10 Prozent und mehr sind nicht besser belegt und können empfindliche Haut eher reizen. Entscheidend sind die regelmäßige Anwendung und ein Produkt, das zu Ihrem Hauttyp passt.

Kann ich Niacinamid mit Vitamin C kombinieren?

Ja. Die Sorge, dass sich beide Wirkstoffe gegenseitig aufheben, beruht auf Laborbedingungen, die mit moderner Hautpflege wenig zu tun haben. Viele Produkte kombinieren Niacinamid und Vitamin C bewusst in einer Formulierung.

Darf ich Niacinamid zusammen mit Retinol verwenden?

Ja, die Kombination ist sogar sinnvoll. Niacinamid unterstützt die Hautbarriere, die Retinol und andere Vitamin-A-Wirkstoffe zu Beginn der Anwendung strapazieren können. Führen Sie neue Wirkstoffe dennoch nacheinander ein, damit Sie erkennen, wie Ihre Haut reagiert.

Hilft Niacinamid gegen Pigmentflecken?

Niacinamid kann das Erscheinungsbild von Pigmentflecken verbessern, weil es die Übertragung von Pigment auf die Hautzellen hemmt. In Studien zeigte sich der Effekt nach einigen Wochen. Ohne täglichen Sonnenschutz bleibt die Wirkung jedoch begrenzt.

Ist Niacinamid für empfindliche Haut geeignet?

In der Regel ja; Niacinamid gilt als gut verträglich und wurde auch bei Menschen mit Rosacea untersucht. Beginnen Sie bei empfindlicher Haut mit einer niedrigen Konzentration und testen Sie ein neues Produkt zunächst an einer kleinen Stelle.

Quellen

  1. Bissett DL, Oblong JE, Berge CA. Niacinamide: A B vitamin that improves aging facial skin appearance. Dermatologic Surgery. 2005;31(7 Pt 2):860–865.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16029679/
  2. Hakozaki T, Minwalla L, Zhuang J et al. The effect of niacinamide on reducing cutaneous pigmentation and suppression of melanosome transfer. British Journal of Dermatology. 2002;147(1):20–31.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12100180/
  3. Tanno O, Ota Y, Kitamura N et al. Nicotinamide increases biosynthesis of ceramides as well as other stratum corneum lipids to improve the epidermal permeability barrier. British Journal of Dermatology. 2000;143(3):524–531.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10971324/
  4. Boo YC. Mechanistic Basis and Clinical Evidence for the Applications of Nicotinamide (Niacinamide) to Control Skin Aging and Pigmentation. Antioxidants (Basel). 2021;10(8):1315.https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8389214/
  5. Draelos ZD, Ertel K, Berge C. Niacinamide-containing facial moisturizer improves skin barrier and benefits subjects with rosacea. Cutis. 2005;76(2):135–141.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16209160/
Zurück zum Blog