Porträt einer Frau mit heller Haut und leichter, flächiger Rötung auf beiden Wangen vor hellem Leinenhintergrund; Symbolbild

Rosacea und Couperose: Welche Pflege die Haut wirklich beruhigt

Die kurze Antwort: Rosacea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft; Couperose beschreibt dagegen nur die sichtbar erweiterten Äderchen auf Wangen und Nase – sie kann ein Merkmal der Rosacea sein, aber auch für sich allein auftreten. Pflege heilt Rosacea nicht. Sie kann aber sehr viel dazu beitragen, dass die Haut seltener reagiert: milde Reinigung, eine barrierestärkende Creme, täglicher Sonnenschutz und das konsequente Meiden Ihrer persönlichen Auslöser. Die Diagnose und medizinische Behandlung gehören in die dermatologische Praxis.

Rosacea oder Couperose – was ist der Unterschied?

Die National Rosacea Society hat die Einteilung 2017 grundlegend geändert: Statt fester Untertypen beschreibt man heute einzelne Merkmale, die bei jedem Menschen unterschiedlich kombiniert auftreten.1 Für die Diagnose genügt bereits eine dauerhafte Rötung im Mittelgesicht, die in Schüben zunimmt. Hinzu kommen können anfallsartiges Erröten (Flushing), Papeln und Pusteln, sichtbare Äderchen, Brennen und Stechen, Trockenheitsgefühl oder Augenbeschwerden. Die deutsche S2k-Leitlinie folgt diesem merkmalbasierten Ansatz.5

Couperose ist der umgangssprachliche Begriff für feine, erweiterte Blutgefäße (Teleangiektasien), meist an Nasenflügeln und Wangen. Sie entsteht oft durch Veranlagung, jahrelange UV-Belastung oder schwankende Temperaturen und brennt in der Regel nicht. Wenn zusätzlich Hitzewallungen im Gesicht, Brennen oder entzündliche Knötchen auftreten, spricht das eher für eine Rosacea – lassen Sie das dermatologisch abklären.

Nahaufnahme von Wange und Nasenflügel heller Haut mit einzelnen feinen, sichtbaren roten Äderchen
Sichtbare feine Äderchen (Couperose) sind ein häufiges, aber nicht zwingendes Rosacea-Merkmal. Symbolbild.

Warum gerade jetzt? Herbst und Winter als Auslöser

Rosacea-Haut reagiert empfindlich auf alles, was die Gefäße schnell weitet oder die Hautbarriere stresst. Zu den in der Fachliteratur am häufigsten genannten Auslösern zählen:3

  • Temperaturwechsel: kalter Wind draußen, trockene Heizungsluft drinnen – genau die Kombination, die mit dem Herbst beginnt.
  • UV-Strahlung – auch an bedeckten Tagen und im Winter.
  • Heiße Getränke, scharfe Speisen und Alkohol.
  • Hitze: Sauna, heißes Duschen, Sport in warmen Räumen.
  • Emotionaler Stress.
  • Reizende Pflege: Peelingkörner, alkohol- oder stark parfümierte Produkte, zu viele Wirkstoffe gleichzeitig.

Auslöser sind individuell. Ein einfaches Hauttagebuch über vier bis sechs Wochen – Was habe ich gegessen, wo war ich, wann kam der Schub? – zeigt oft schneller als jede Liste, was Ihre Haut aus dem Gleichgewicht bringt.

Frau mittleren Alters mit cremefarbenem Wollschal an einem kalten, windigen Herbsttag, Wangen leicht gerötet
Kälte draußen, Heizungsluft drinnen: Der Herbst bringt für Rosacea-Haut gleich zwei Auslöser. Symbolbild.

Eine Routine, die beruhigt statt reizt

Für die Pflege empfiehlt das internationale ROSCO-Expertenpanel ausdrücklich milde Reinigung, regelmäßige Feuchtigkeitspflege und täglichen Lichtschutz als Basis jeder Behandlung.2 Weniger ist dabei fast immer mehr. So kann eine Routine aussehen:

Morgens

  1. Reinigen mit lauwarmem Wasser und einem milden Reiniger, der nicht schäumt oder rubbelt – etwa die Environ Mild Cleansing Lotion oder der IMAGE VITAL C Hydrating Facial Cleanser, den der Hersteller ausdrücklich auch für zu Rosacea neigende Haut beschreibt. Trocken tupfen, nicht reiben.
  2. Beruhigende Feuchtigkeitspflege. Für Haut, die auf Vitamin A empfindlich reagiert, ist das Environ Comfort+ Vita-Enriched Antioxidant Gel konzipiert.
  3. Mineralischer Sonnenschutz. Viele empfindliche Hauttypen vertragen rein mineralische Filter gut, zum Beispiel den Environ RAD Shield Mineral Sunscreen. Weitere Optionen finden Sie in unserer Sonnenpflege.

Abends

  1. Sanft abschminken und reinigen – ohne Bürsten, Peelingkörner oder heißes Wasser.
  2. Die Barriere nähren. Ceramide und Fettsäuren helfen, den Feuchtigkeitsverlust zu verringern. Der IMAGE MD Barrier Repair Recovery Balm enthält laut Hersteller biomimetische Ceramide, Phytosterole und Beta-Glucan.
  3. Wirkstoffe nur einzeln einführen. Ein neues Produkt pro zwei Wochen, zuerst an einer kleinen Stelle testen.
Zwei Hände tupfen ein Gesicht mit einem weichen weißen Baumwollhandtuch an einem hellen Waschbecken trocken
Tupfen statt reiben: Schon die Art des Abtrocknens entscheidet bei empfindlicher Haut mit. Symbolbild.

Welche Wirkstoffe helfen – und welche Vorsicht brauchen

Niacinamid gehört zu den am besten verträglichen Barriere-Wirkstoffen. In einer randomisierten Studie mit 50 Teilnehmenden verbesserte eine Feuchtigkeitscreme mit Niacinamid über vier Wochen die Barrierefunktion bei Menschen mit Rosacea.4 Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Niacinamid: Was Vitamin B3 für die Haut leisten kann.

Vitamin A ist für viele Hautbilder ein Schlüsselwirkstoff, kann Rosacea-Haut aber anfangs reizen. Wer – wie bei der Environ-Methode – mit Vitamin A arbeiten möchte, sollte in einer ruhigen Phase, mit der niedrigsten Stufe und nach persönlicher Beratung beginnen.

Besser meiden sollten Sie bei Rosacea mechanische Peelings, stark parfümierte und alkoholreiche Produkte sowie Behandlungen, die die Haut bewusst reizen. Auch kosmetisches Microneedling zu Hause ist bei aktiver, entzündlicher Rosacea nicht geeignet.

Fünf Pflegefehler, die Rötungen verstärken

  1. Zu heißes Wasser. Heiß duschen und das Gesicht danach mit warmem Wasser abspülen weitet die Gefäße. Lauwarm ist für Rosacea-Haut die richtige Temperatur.
  2. Zu viele Produkte auf einmal. Je mehr Inhaltsstoffe zusammenkommen, desto größer die Chance, dass einer reizt – und desto schwerer zu erkennen, welcher.
  3. Rubbeln und Reiben. Peelinghandschuhe, Reinigungsbürsten und kräftiges Abtrocknen strapazieren die ohnehin empfindliche Barriere.
  4. Sonnenschutz nur im Sommer. UV-Strahlung zählt zu den häufigsten Auslösern und wirkt auch an kühlen, bewölkten Tagen.
  5. Ständig Neues ausprobieren. Wer bei jedem Schub die Pflege wechselt, gibt der Haut keine Chance, sich zu beruhigen. Eine gut vertragene Routine darf langweilig sein – das ist bei Rosacea ein gutes Zeichen.

Rötungen abdecken – ohne die Haut zu belasten

An Tagen, an denen die Rötung sichtbar bleibt, kann Make-up viel Gelassenheit geben. Mineralisches Make-up mit wenigen Inhaltsstoffen ist für empfindliche Haut oft eine gute Wahl. Ein deckender Concealer punktuell auf die rötesten Stellen, darüber ein leichter Mineralpuder, und die Haut wirkt ebenmäßig, ohne maskenhaft auszusehen. Passende Farbtöne finden Sie in unserer Concealer-Auswahl von jane iredale.

Wann Sie ärztlichen Rat brauchen

Rosacea ist eine Hauterkrankung, keine Pflegefrage allein. Suchen Sie eine dermatologische Praxis auf, wenn Papeln und Pusteln auftreten, die Rötung trotz milder Pflege zunimmt, die Augen brennen oder tränen, oder sich die Haut an der Nase verdickt. Für diese Merkmale gibt es wirksame verschreibungspflichtige Therapien, die nach der aktuellen Leitlinie gezielt nach dem Erscheinungsbild ausgewählt werden.5

Für die tägliche Pflege beraten wir Sie gern persönlich. In einer Hautanalyse schauen wir gemeinsam, was Ihre Haut beruhigt – und was Sie besser weglassen. Alle Produkte, die wir bei Rötungen häufig empfehlen, finden Sie in der Kategorie Hautpflege bei Rötungen, Couperose und Rosacea sowie unter Hautpflege für sensible Haut.

Häufige Fragen

Ist Rosacea dasselbe wie Couperose?

Nein. Couperose bezeichnet sichtbar erweiterte feine Äderchen, meist an Wangen und Nase. Rosacea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit anhaltender Rötung im Mittelgesicht und weiteren möglichen Merkmalen wie Flushing, Papeln, Brennen oder Augenbeschwerden. Couperose kann Teil einer Rosacea sein, aber auch allein auftreten.

Welche Hautpflegeroutine eignet sich bei Rosacea im Gesicht?

Eine kurze, milde Routine: morgens Reinigung mit lauwarmem Wasser und einem milden Reiniger, eine beruhigende Feuchtigkeitspflege und täglicher, idealerweise mineralischer Sonnenschutz. Abends sanft reinigen und eine barrierestärkende Pflege mit Lipiden wie Ceramiden auftragen. Neue Produkte nur einzeln und mit Abstand einführen.

Was verschlimmert Rosacea im Herbst und Winter?

Häufige Auslöser sind der Wechsel zwischen Kälte draußen und trockener Heizungsluft drinnen, heiße Getränke, Alkohol, scharfe Speisen, Saunabesuche und Stress. Auch im Winter spielt UV-Strahlung eine Rolle. Welche Auslöser für Sie persönlich relevant sind, zeigt am besten ein Hauttagebuch über einige Wochen.

Darf ich bei Rosacea Vitamin A verwenden?

Vitamin A kann Rosacea-Haut anfangs reizen. Wenn Sie es verwenden möchten, beginnen Sie in einer ruhigen Phase mit einer niedrigen Konzentration, tragen Sie es zunächst nur wenige Abende pro Woche auf und lassen Sie sich persönlich beraten. Bei verschreibungspflichtigen Rosacea-Therapien stimmen Sie die Pflege mit der behandelnden Praxis ab.

Kann man Rosacea mit Make-up abdecken?

Ja. Ein deckender Concealer punktuell auf den stärksten Rötungen und darüber ein leichter Mineralpuder gleichen den Teint aus, ohne die Haut stark zu belasten. Abends sollten Sie das Make-up mild und ohne Reiben entfernen.

Wann sollte ich mit Rosacea zum Hautarzt?

Wenn Knötchen oder Pusteln auftreten, die Rötung trotz milder Pflege zunimmt, die Augen brennen, jucken oder tränen, oder sich die Haut an der Nase verdickt. Für diese Merkmale gibt es wirksame ärztliche Therapien, die eine Pflegeroutine ergänzen, aber nicht ersetzen kann.

Quellen

  1. Gallo RL, Granstein RD, Kang S et al. Standard classification and pathophysiology of rosacea: The 2017 update by the National Rosacea Society Expert Committee. Journal of the American Academy of Dermatology. 2018;78(1):148–155.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29089180/
  2. Schaller M, Almeida LM, Bewley A et al. Rosacea treatment update: recommendations from the global ROSacea COnsensus (ROSCO) panel. British Journal of Dermatology. 2017;176(2):465–471.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27861741/
  3. Two AM, Wu W, Gallo RL et al. Rosacea: part I. Introduction, categorization, histology, pathogenesis, and risk factors. Journal of the American Academy of Dermatology. 2015;72(5):749–758.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25890455/
  4. Draelos ZD, Ertel K, Berge C. Niacinamide-containing facial moisturizer improves skin barrier and benefits subjects with rosacea. Cutis. 2005;76(2):135–141.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16209160/
  5. Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). S2k-Leitlinie Rosazea, AWMF-Registernummer 013-065. Stand 28.01.2022, gültig bis 31.12.2026.https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-065l_S2k_Rosazea_2022-02.pdf
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